Exklusiver Geheimcontent!
Added 2018-06-14 13:15:33 +0000 UTCIhr Lieben,
hier ist mal was ganz anderes. Das folgende Quatschtextlein entstand für Chris' Hochzeitszeitung, ich hab' den zufällig wieder gefunden und Erlaubnis eingeholt, ihn hier zu veröffentlichen. Angehängt ist ein (leicht zu niedrig aufgelöstes) PDF, so sah der Text in der Zeitung aus.
Viel Spaß,
Gunnar
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ABOUT SCHMIDT Essay
Christian Schmidt, meine Damen und Herren, ist ein enigmatisches Wesen. Ein grüblerisch veranlagter Mensch, dessen wahre, möglicherweise warmherzige Persönlichkeit durch die Fassade des strengen Games-Professors nicht immer durchscheint.
Das ist schon immer ein Problem in der Rezeptionsgeschichte von Christian Schmidt gewesen: Schon im Film About Schmidt von 2003, in dem Jack Nicholson sich der Aufgabe stellt, einen älteren Christian Schmidt zu verkörpern, ist die Charakterzeichnung nach Meinung der Kritik eigentlich gescheitert: “Das hätte der Schmidt doch nie so gesagt”, meinte etwa Gunnar Lott vom bekannten Filmblog gunnarlott.com. In der Neuauflage Schmidts Katze gibt Hauptdarsteller Michael Lott gar eine lebhaft-chaotische Variante des Christian Schmidt, die dem Naturell des Dargestellten noch weniger entspricht. “Und eine Katze hat er schon gar nicht, das war nur der verzweifelte Versuch der Filmemacher, ihm eine menschliche Seite zu verpassen!”, so Gunnar Lott vom bekannten Filmblog gunnarlott.com.
Leider gibt Christian Schmidt kaum persönliche Interviews, sondern agiert in öffentlichen Gesprächen hinter der Maske der Professor-Persona, die immer eine Mischung aus exaktem Faktenwissen und absichtsvoll-provokanten haltlosen Theorien ist, egal ob es nun um Mutter Theresa oder Starcraft geht. Die zeitgenössische Schmidt-Forschung ist daher auf Sekundärquellen angewiesen. Wir wollen uns in diesem Essay der historischen Perspektive bedienen und herausarbeiten, unter welch schweren Entbehrungen Christian Schmidt in seiner Jugend leiden musste -- und uns auf diesem Wege seiner Persönlichkeit nähern.
Wir beginnen mit einigen wenig bekannten Fakten:
Als Christian Schmidt jung war, … waren Menschen nicht immerzu erreichbar. Es gab nur ein Festnetztelefon je Familie – in Österreich anfangs sogar noch ein Vierteltelefon. Das Gerät stand immer am selben Ort. Den Klingelton konnte man auch nicht ändern. Wenn man bei Freunden anrief, nahm jedes Mal erst die Mutter ab, und man musste ein paar Sekunden Smalltalk einschieben, ehe man den gewünschten Gesprächspartner bekam. Das hat tiefe Spuren hinterlassen, noch heute ist Christian Schmidt, so sagen Schmidtforscher, für Smalltalk nicht zu haben.
Als Christian Schmidt jung war,... konnte man Haus- oder Seminararbeiten nicht aus dem Internet abschreiben. Die Schüler und Studenten mussten sich den ganzen Text SELBER AUSDENKEN oder die igelhaarige Brillenschlange aus dem Parallelkurs bestechen, damit er das aufschreibt. Es soll vorgekommen sein, dass Studenten oder Schüler zu Recherchezwecken Bibliotheken aufgesucht haben. Noch heute ist Schmidts Arbeitsweise von einer nahezu rührend altmodischen Recherchewut bestimmt.
Als Christian Schmidt jung war, … musste man Songs aus dem Radio aufnehmen. Auf Kassetten. Stundenlang hat man gewartet, dann vor Schreck zu spät auf “Aufnahme” gedrückt und am Ende hat der blöde Moderator reingelabert. Und wenn die Lieder erstmal auf der Kassette waren, gab es keine Möglichkeit mehr, die Reihenfolge zu ändern. Das hat Schmidts Verhältnis zum zeitgenössischen Rock vollkommen zerstört und ihm einen eher esoterischen Zugang zu Musik gegeben. Noch heute kann er U-Musik nur ertragen, wenn er die Sänger sehen kann und die Darsteller kostümiert sind.
Als Christian Schmidt jung war,… musste man aufstehen, zum Fernseher gehen und am Gerät umschalten, wenn man das Programm wechseln wollte. Die ersten Fernbedienungen waren über ein Kabel mit dem Fernseher verbunden. Kein Wunder, dass Schmidt noch heute das Programm nicht wechselt, wenn ein Bud-Spencer-Film läuft.
Bereits aus diesen wenigen Fakten lässt sich ein passables Psychogramm erstellen. Weitere Forschung ist vonnöten, um die hier angerissenen Punkte zu vertiefen und zu ergänzen. Ansatzpunkte:
Was macht es aus einem Menschen, ein Listing aus einer Computerzeitschrift abtippen und dann den einen Vertipper nicht zu finden, der den Start des Programms verhindert?
Was bedeutet es für einen jungen Menschen, wenn es nur drei Fernsehsender gibt, von denen keiner Zeichentrickfilme oder Musikvideos sendet?
Wie funktioniert die Adoleszenz in einer Welt, in der an Tankstellen nur Benzin verkauft wird und kein Bier und keine Grillkohle?
Aber Christian Schmidt, meine Damen und Herren, ist ein enigmatisches Wesen und wird das auch bleiben, egal, wie weit die Schmidtforschung in diesem Jahrhundert noch kommt.
Comments
Ja, von mir aus auch so; was man von den Benefits lieber mag, ist ja auch immer Ansichtssache - ich fänd jedenfalls einen Post, was mit dieser Stufe langfristig passieren soll, schon mal ganz schön. Die Dossiers sind ja (bis auf das letzte, das eigentlich gar keins war, zumindest nicht dem Standard der anderen nach) auch super, aber da ist offenbar ordentlich Rückstau. Für Poster und Kühlschrankmagneten bin ich nicht so die Zielgruppe, aber dafür könnt ihr ja nix. Das Artbook - wie gesagt, ganz nett, unterstreicht aber die Tendenz zu Produkten, die den eigenen Podcast feiern statt neue Inhalte zu liefern, was mir persönlich lieber wäre; sonst sollte die Stufe vielleicht besser „Hardcore-Fan“ oder so heißen.
willonious
2018-06-25 06:29:13 +0000 UTCEher die Lücke zwischen 15 Dollar und 30 Dollar.
artificialfeelings
2018-06-24 21:51:51 +0000 UTCHm, ihr wollt ja immer gern Feedback haben, wie Inhalte ankommen, um zu sehen, wovon ihr mehr produzieren könnt, oder? Ich finde solche ‚privaten‘ Inhalte tatsächlich eher uninteressant und habe mich auch etwas darüber gewundert vor dem Hintergrund, dass auf der „Archäologen“-Stufe längst nicht so viele Dossiers entstehen wie Folgen produziert werden - besonders viele Extraposts kommen dabei bislang nicht rum und ich würde persönlich lieber mehr Inhaltliches sehen als solche Specials. Das Artbook sehe ich irgendwie ähnlich: Ist ja ganz hübsch, aber auch eher ein Feiern der eigenen Produktion als wirklich was mit exklusiven Inhalten zu eurer Sicht auf Spiele(geschichte). Ich hatte ursprünglich wegen SFS begonnen zu backen, was ich immer noch total super finde und „Amnesia“ war/ist wieder ein echter Knaller, aber die Lücke zwischen 5 und 30 Dollar (er)schließt sich mir ehrlich gesagt bislang nicht so richtig. Natürlich besteht zwischen diesem „Geheimcontent“ und den anderen Stufen eigentlich gar keine Verbindung, aber mich würde mal interessieren, ob ich der einzige „Archäologe“ bin, der gern etwas mehr darüber wüsste, wo die Reise auf dieser Stufe hingeht?
willonious
2018-06-15 13:52:40 +0000 UTCSehr liebenswert geschrieben. Danke fürs teilen.
2018-06-14 22:05:12 +0000 UTCAch, du .... ! Das Vierteltelefon gab es wirklich?! Ich habe das für eine Anspielung gehalten, die ich nicht verstanden habe. Mein herzliches Beileid!
Felix E.
2018-06-14 20:55:22 +0000 UTCDamals gab's an der Tanke nicht mal "Crushed Eis".
KaroKoenich
2018-06-14 18:56:17 +0000 UTCAlles Gute zum Geburtstag?
Gilbert Hangel
2018-06-14 16:14:24 +0000 UTCVierteltelefon! <3 Ich habe meine Mutter noch im Ohr, wie Sie "Ich will telefonieren!" in die Nachbarschaft gebrüllt hat, wenn die Leitung wieder mal ewig blockiert war.
Alexander Jahn
2018-06-14 14:54:15 +0000 UTCIch sehe, hier wurde so authentisch wie möglich gearbeitet um auch etwaige Vertipper naturgetreu zu erhalten.
Arragon
2018-06-14 13:43:32 +0000 UTC