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Das Format ohne Namen #17

Liebe Leute,

hier ist die jüngste Ausgabe des Formats ohne Namen.

Wir sprechen über die Schule, Korridor-Kinder, Excel-Tabellen und DAUs, Amazon und englische Buchläden.

Wir wünschen viel Spaß beim Hören

Chris + Gunnar

P.S. Im Forumsthread zur Folge äußert sich Gunnar noch ausführlicher zu ein paar Schulthemen und ein, zwei Lehrer diskutieren mit:

h
ttps://community.stayforever.de/t/das-format-ohne-namen-17/2417/26 

Das Format ohne Namen #17

Comments

Die Service-Qualität lässt sich glaube ich nicht so einfach beschreiben, wie du das möchtest. Lehrpläne geben eine Grundstruktur vor, die zumindest sicherstellen, dass alle Schüler bis zu einem gewissen Punkt das gleiche beigebracht bekommen. Die Wege und Mittel bleiben der Lehrkraft aber weitgehend selber überlassen. Unterricht und die Lehrer-Schüler Interaktion sind tatsächlich ziemlich komplex und auch Qualität und Lernerfolg. Ich will mich mit dem Schulsystem an sich nicht vertieft auslassen, weil ich immer an der Front / vor der Klasse stehe und ich in meiner Auffassung als aller erstes meinen Schülern verpflichtet sehe. Aber einige dieser komplexen Stellschrauben die den Erfolg beeinflussen sind zb: Zeitpunkt der Stunde, Räumlichkeit und Sitzplatz, ist der Schüler mehr der haptische Lerntyp oder mehr audiovisuell. Versteht er meine Fragestellungen oder auch schlichtweg mag er mich als Person oder kann er mich nicht leiden. Zeigt er Interesse am Fach oder eben nicht…etc. Bei 27 Schülern ergeben sich da einige Konstellationen…auf die ich auch nur angemessen reagieren kann wenn ich Freiheiten habe. Noten sind auch nur bedingt geeignet um Qualität des Unterrichts zu messen. Habe ich ne gute Klasse mit vielen begabten Schülern kann ich kaum was falsch machen und hab top Noten. Andersrum mach ich aber was richtig wenn ich eine Handvoll schlechter Schüler auf ne solide 4 bekomme. Sind Schüler bei mir besser als letztes Jahr, muss es nicht daran liegen, dass ich sie besser motivieren kann, sonder vielleicht auch nur daran, dass meine Tests ein niedriges Niveau haben…. Meine langjährige Erfahrung sagt, dass das jedes Schulsystem nur so gut ist wie die Lehrer. Von denen gibt es, wie in jedem Berufsstand gute und schlechte. Und Bildung ist das was übrig bleibt, wenn man alles was man in der Schule gelernt hat vergessen hat (A.Einstein)

josef dietl

Hm, hier darf man aber auch nicht auf das falsche Icon klicken - schon ist der Beitrag weg :-D Ach, jetzt lese ich das so spät.... @Christopher Schramm: Hätte ich heute Kinder, ich würde sie alle auf eine Gesamtschule schicken. Das Schulkonzept ist doch genau das, was viele wollen: Kurse nach Leistung, Förderung, keine Verwahrung nach Mittag sondern richtiger Unterricht, keine Hausaufgaben (da bin ich aber ein Gegner von - die Selbstbeschäftigung mit einem Problem ist schon sehr lehrreich), Arbeit in Gruppen, Lehrer die mehr partnerschaftlich Zusammen und mit den Schülern arbeiten, alle Schulformen unter einem Dach, Aufstiegschancen, Angebote über den Unterricht hinaus, uvm. Das ist doch genau das, was man heute wie damals nach den 60ern will und wollte. Schade, dass sich das nicht durchsetzt. Diese ganzen Schulformen aus den Bundesländern: Sie wären alle obsolet.

Victor-Philipp Busch

Ja, klar könnte man das machen. Aber ehrlich, das ist ein Monsterprozess mit großem Risiko. Mir wäre es lieber gewesen, die vergleichsweise gut ausgestattete Innenstadtschule mit all dem verbeamteten Personal hätte sich ein bisschen mehr modernisiert und versucht, ein vernünftiges Angebot zu bieten, anstatt dass von Eltern verlangt wird, den halben Landkreis nach sinnvollen Pädagogischen Konzepten abzusuchen.

Stay Forever

Ich finde, man müsste Christians Fazit zum Ende in etwas positiveres Licht rücken. Denn das war mitnichten ein reiner Meckerpodcast. Im Gegenteil, der war an vielen Stellen sehr befreiend. Sei es die Erfahrung, die man als Excel-Autor macht, wenn man wie ich in der Kreis lasse spielt, oder die Beschreibung der Wandlung von Amazon, das zunehmend schwerer zu ertragen wird. Und alles das so wunderbar launig vorgetragen von euch beiden, dass ich teilweise echt lachen musste ("da dachte ich: Es ist Gunnar..."). Eine so, so, so unterhaltsame Folge mit viel Lebensweisheit. Vielen Dank dafür!

Colin Becker

Das ist ja eher die Grummelnde Grantelmänner-Folge. ;)

Maestro84

Manchmal sind sogar Dorfgymnasien heutzutage didaktisch moderner aufgestellt, weil sie mit Gesamtschulen konkurrieren müssen. Stadtgymnasien müssen das oft nicht so sehr, das Klientel ist ein anderes und man versucht sich eher von anderen Stadtgymnasien abzuheben durch z.b. ein besonderes Profil. Ich würde euch raten, schon einmal so ein wenig die Augen offen zu halten, welche Schulen mit welchen Konzepten es noch in der Umgebung gibt, denn ein Schulwechsel nach 10 kann wirklich viel bewirken. Wir haben jedes Jahr viele neue 11er, die vom Gymnasium kommen und bei uns an der Schule richtig aufblühen, da es ein anderes Miteinander sowohl innerhalb der Schülerschaft aber auch im Kontakt mit den Lehrkräften ist. Verständnis für introvertierte Menschen und niedrigschwellige Möglichkeiten der Partizipation bieten sicher einige Schulen mehr als das, was du beschreibst.

Christopher Schramm

Ich finde nicht, dass das was mit meinen Ansprüchen und meiner Wahl zu tun hat - ich bin Laie und kann in die Systeme nicht reinschauen vorher. Und vieles von der Selbstdarstellung am Tag der offenen Tür war leider Unsinn. Mein Hauptfehler ist imho, dass ich irgendwie angenommen habe, dass das Schulsystem seit meinem Abi 1989 den gröbsten Unsinn beseitigt hat - und vielleicht hat es das ja auch, aber halt nicht am Gymnasium meiner Tochter. Was mich besonders wurmt, ist, dass wir hier von einen sehr gut ausgestatteten Großstadtgymnasium sprechen, nicht von meinem Dorfgymnasium damals in einer Gegend, wo niemand hinwollte. Dass damals nicht alles super war und die meisten Lehrer Freaks, okay, aber 30 Jahre später in einer reichen Stadt?

Stay Forever

Grundsätzliches Vereinheitlichen gibt es ja nicht zu knapp für Lehrer. KCs, Rahmenrichtlinien, didaktische Konzepte der Schule, ggf. Schulcurricula und eben wie gesagt Jahrgangsteams, die für jedes Fach Einheiten entwickeln oder zumindest absprechen. Da hast du dann vielleicht für deine Ansprüche die falsche Schule gewählt, denn was du beschreibst ist wirklich sehr typisch für alteingesessene Gymnasien, wo jeder Fachlehrer ein Einzelkämpfer ist, und regelmäßig Lehrerwechsel stattfinden. Das ist natürlich auch dem System Gymnasium geschuldet. Wir sind uns also am Ende vermutlich einig, dass das System mal reformiert oder vielleicht sogar aufgelöst werden sollte. Dann hätten die Gesamtschulen auch nicht das Problem, der Notnagel für alles und jeden zu sein, sondern es würde sich gleichmäßiger verteilen.

Christopher Schramm

Vollkommen korrekt, aber der Wunsch nach situativen Entscheidungen darf nicht die grundlegende Service-Qualität beeinflussen. Ehrlich, wir stecken so unendlich viele Schülerstunden in das System und für viele kommt so wenig dabei raus. Ich bin ja nun vom öffentlichen Sektor weit entfernt, aber als Dienstleister tut man genau das – mit einem grundsätzlichen Vereinheitlichen sicher stellen, dass Mitarbeiter-unabhängig jeder Kunde die gleiche Service-Qualität erfährt und dass nicht alle Kollegen/Kolleginnen das Rad individuell neu erfinden müssen. Das ist keine Gleichmacherei, die Aufgaben sind komplex und Raum für Kreativität beliebt mehr als genug.

Stay Forever

Gunnar, ich kann deine Frustration bzgl. dieses Schulalltags verstehen. Vieles was dich stört sind auch typisch gymnasiale "Probleme". Nun gibt es sicher mittlerweile auch unter den Gymnasien einige, welche sich da modernisieren, aber gerade Druck über Tests, öffentliches Zurschaustellen von Unvermögen, Hausaufgaben en masse ... das sind Dinge, die in vielen modernen Schulen nicht mehr so präsent sind. Viele integrierte Gesamtschulen z.B. haben grundsätzlich keine Hausaufgaben, aber dafür Mittagessen und Nachmittagsunterricht an 3-4 Tagen. (Schulschluss ca 15:30) Hier wird auch oft versucht, Schülern individuelle Lernangebote zu machen, so dass nicht so viel über Zwang und Leistungsdruck, sondern über die eigene Motivation kommt. Was wir aber immer merken, ist, dass viele Elternhäuser mittlerweile wieder mehr Druck und mehr Bewertungen fordern. So frei nach dem Motto "mir hat es ja auch nicht geschadet." Das ist teilweise wirklich erschreckend. Dann noch kurz zu eurem Punkt der Streamline-Didaktik oder Methodik (wurde ja etwas vermischt): Auch hier gibt es besonders an vielen IGS die Tendenz in Jahrgangsteams und/oder in Fachbereichsteams zusammen Unterricht zu planen und so vergleichbarere Zustände zu erreichen. Gleichzeitig muss man aber auch schauen, dass individuelle Lehrerentscheidungen echt wichtig sind, um auch das Potenzial der Lehrkraft auszuschöpfen. Jeder ist nunmal anders und auch Lehrstile sind sehr unterschiedlich. Nicht automatisch bedeutet das, dass einer besser ist als der andere. Zwängt man aber alle ins selbe Korsett, mag das eine gewisse Grundversorgung garantieren, aber es wird auch vieles dadurch im Keim erstickt, was eigentlich wichtig für die Schule ist. Nämlich Spontanität, Kreativität und situative Entscheidungen.

Christopher Schramm

Aus unserer Erfahrung sind Jungs sowieso etwas hinterher (wir haben auch einen Jungen, der im August geboren ist). Ich würde euren Sohn nur dann jetzt schon einschulen, wenn er im Kindergarten komplett unterfordert ist und schon selber anfängt zu Lesen und/der zu rechnen. Ansonsten kann es sein, dass es schnell zu einer Überforderung kommt. Also mal ruhig mehr Zeit lassen, noch Kind zu sein. Arbeiten kann man dann immer noch genug, da kommt es auf ein Jahr nicht an;-)

dj2063

Das ist auf jeden Fall richtig, das gibt ja Chris auch zu bedenken im Cast.

Stay Forever

Oh, das ist sehr hilfreich, danke für den Hinweis! (Chris)

Stay Forever

Hätte mir denken können, dass jemand in der Hörerschaft im Lehrwesen ist und mehr Ahnung hat. Und natürlich habe ich unseren Föderalismus nicht bedacht. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass Vorbereitungszeiten und andere Verpflichtungen für (gerade Junge) LehrerInnen ein ziemlicher Workload sein können.

Jakob Robert Zimmer

Klar, aber auch das ist Teil des Problems, die Debatte wird aber natürlich in allen 16 Bundeländern geführt, auf sehr sehr unterschiedlicher Basis.

Florian Weiß

Das klingt realistisch, wobei man auch immer hört, dass die Situation in Berlin eine ganz andere ist als etwa in BW.

Stay Forever

25,5 Vollzeitstunden entsprechen 34 Unterrichtsstunden zu 45 Minuten, das ist in keiner Schulform und in keinem Bundesland der Fall, aber wie gesagt - das Problem ist echt komplex, ich habe hier tatsächlich nur einige wenige oberflächliche Punkte erwähnt.

Florian Weiß

Eine Kollegin von mir hat kürzlich dazu eine sehrt aufschlussreiche Präsentation erstellt, das ganze Thema ist wirklich komplexer als man denkt. Ich frage sie, ob ich dir das schicken kann.

Florian Weiß

Die Debatte ist sehr aktuell, da alle Arbeitgeber:innen in Deutschland seit vergangenem September gesetzlich verpflichtet sind, die Arbeitszeit ihrer Angestellten zu erfassen, das gilt jetzt natürlich auch für Lehrer:innen. Und natürlich ist die Berechnung schwierig, das beginnt damit, dass nicht alle Lehrer:innen den gleichen Arbeitgeber haben (z.B. Vertretunglehrer:innen, die zumeist weder auf Basis der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst angestellt sind, geschweige denn verbeamtet sind). Im Grunde gilt aber dennoch für alle Leher:innen das "gute alte" Konzept der 40-Stunden-Woche. (Zeitstunden!) Ferienzeiten - bis auf die Sommerferien - müssen dabei subtrahiert werden, tatsächlich sind alle anderen Ferien offiziell "unterrichtsfreie Zeit" - nicht Freizeit. Aktuelle Berechnungen in Berlin kommen zum Ergebnis, dass Lehrer:innen pro Woche 47,5 Zeitstunden arbeiten müssen, um diese und andere Vorgaben zu erfüllen.

Florian Weiß

"https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Pflichtstunden_der_Lehrer_2017.pdf" Ja, klar, das sind die Pflichtstunden. Aber liegt der Rechnung nicht eine normalisierte Stundenzahl zugrunde wie bei anderen Beamten, 41 Zeitstunden oder so? Und wie werden in diesem Modell die Ferien angerechnet? Ein Beamter kommt bei sechs Wochen Urlaub und 46 Arbeitswochen zu 41 Stunden auf ca. 1800-1900 Jahresstunden. Ein Lehrer kommt bei 40 Wochen Schule pro Jahr zu angenommenen 41 Arbeitsstunden (25,5 Zeitstunden Deputat + Vorbereitung, Nachbereitung, Sprechzeiten, Sonderverpflichtungen) logischerweise nur auf rund 1600. Wie werden die fehlenden Stunden normalisiert, gilt das pauschal als Vorbereitungszeit? Gibt es da zusätzliche Veranstaltungen? Ist das eine pauschale Abgeltung für angenommene Mehrarbeit während der Unterrichtszeit?

Stay Forever

"25,5 Unterrichtsstunden Lehrverpflichtung zu 60 Minuten gibt es in keinem Bundesland!" Was hier imho gemeint ist: Die Deputatsstunden entsprechen 25,5 Vollzeitstunden.

Stay Forever

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Pflichtstunden_der_Lehrer_2017.pdf

Florian Weiß

(Gunnar hier) - Ist mit schon klar, dass das im Cast sehr von der anekdotischen Beobachtung aus argumentiert ist. Aber das mit dem Arbeitsaufwand habe ich nicht verstanden, das kommt ja auch im Cast raus. Wie wird der vertraglich der Arbeitsaufwand bestimmt?

Stay Forever

25,5 Unterrichtsstunden Lehrverpflichtung zu 60 Minuten gibt es in keinem Bundesland!

Florian Weiß

?? Die Aussage ist maximal undifferenziert, was soll "Vertretungslehrerin" bedeuten? Hatte sie einen Vertrag mit der Schule oder mit dem Land? ich bin Studiendirektor an einer Berliner ISS und normalerweise bin ich immer mit Gunnar, aber in diesem Fall nicht.

Florian Weiß

Christian - "Korridorkinder" (im Englischen: "Summer born") haben im Schnitt einen Nachteil, die Empfehlung von Forschenden ist, sie ein Jahr zurückzustellen. Der Effekt nimmt mit zunehmenden Alter ab, aber die schlechten Erfahrungen können bleiben. Junge Kinder im Jahrgang schreiben sich etwas seltener in Unis ein. Quelle: Bin Kollege von einer führenden Forscherin in diesem Bereich.

Vitor Zimmerer

Als Anmerkung: (Mein Partnerin hat den Lehrer Beruf vor einem Monat Verlassen) NRW auf 25,5 Stunden (Stunden als 60 Min Stunden berechnet*) einer Vollzeit-Vertretungslehrerin Stelle kommen pro Stunde 15 Minuten Vorbereitungszeit. Hoffe das Hilft ein wenig den Arbeitsaufwand einer Lehrkraft zu verstehen. Edit: Bitte Replys lesen :) *Wahrscheinlich doch 45min Std. Siehe Dokument in den Kommentaren (NRW)

Jakob Robert Zimmer


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