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Wohlstand für Alle
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Speakeasy #10: Hufeisentheorie, Bürgerräte, Frankfurter Schule u. v. m.

In der neuen Speakeasy-Bar sprechen wir zunächst über den „Linksruck“ in Frankreich und England sowie über dessen eigenartige mediale Rezeption in Deutschland. Daraufhin beantworten wir über ein Dutzend Publikumsfragen: Es geht um Bullshit-Jobs und Marktversagen, um die Hufeisen-Theorie, um einen möglichen Lastenausgleich und seine Grenzen.
Weiterhin ist der Krieg ein Thema: Was würden wir tun, wenn Russland Deutschland angreifen würde? Welche politische Möglichkeit bieten Bürgerräte und wie ist das Social-Media-Verhalten der Linken zu bewerten?
Außerdem beantworten Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt Fragen zu Literatur und Kultur – alles in der neuen Speakeasy-Bar von „Wohlstand für Alle“.

Eure (kurzen!) Fragen könnt ihr weiterhin an folgende Adresse senden: kontakt@wfa-podcast.de

Speakeasy #10: Hufeisentheorie, Bürgerräte, Frankfurter Schule u. v. m.

Comments

Bezogen auf den Ukraine Krieg haben wir zeitlich und geografisch Glück gehabt in der Spermienlotterie. +-100 Jahre früher und wir hätten genauso die Arschkarte gehabt in Mitteleuropa🙈 Ich für meinen Teil will den Menschen der Ukraine auch aktiv vor Ort helfen. Eine militärische Ausbildung habe ich noch nicht deswegen werde ich wohl nächstes Jahr erstmal zivile Aufgaben versuchen zu übernehmen. Das ganze ist natürlich meine persönliche Entscheidung und die muss jeder individuell selbst treffen. Zumindest wir in Mitteleuropa können das ja noch, die direkt angegriffenen leider nicht mehr wirklich frei...😢

David Lutz

Wie immer eine sehr gute und anregende Folge. Allerdings muss ich den Ausführungen (insbesondere von Ole Nymoen) zu den Themen „Innovation“ und „unternehmerische Leistung“ doch widersprechen. Auch Innovationen und Unternehmensführungen sind selbstverständlich Arbeit. Die „Crux“ liegt allein darin, welchen Stellenwert sie im Verhältnis zu anderen Formen der Arbeit haben und wer sich die jeweilige (kooperative) Arbeit von Einzelnen oder von Gruppen im „Produktionsprozess“ wie und in welchem Umfang aneignet, von ihr also (gleich wer sie verrichtet) stärker als andere profitiert (das ist das „Spezifikum“ des Kapitalismus, das man zB mit der bekannten Formel von Thomas Piketty in seinem „Kapital“-Buch vielleicht sogar formelmäßig ausdrücken könnte). Auch die Ausführungen zum unternehmerischen Risiko sind in mehrfacher Hinsicht schief. So gibt es nicht nur ein einziges Risiko, das alle Unternehmer gleichermaßen tragen, vielmehr gibt es je nach Unternehmensart sehr verschiedenartige Risiken, von denen einige sich sogar von den Risiken des Arbeit“nehmers“ nicht sonderlich unterscheiden. Bei den Ausführungen zur GmbH und zur Insolvenz werden zudem nicht alle juristischen und wirtschaftlichen Auswirkungen berücksichtigt. So ist bei GmbH das Haftungsrisiko idR nicht auf das Eigenkapital (bei UG sogar ohne fixe Mindestsumme) beschränkt, weil (zumal kleine) GmbH (und erst recht die UG) zwingend fremdfinanziert sind, für die die Gesellschafter (oder sogar ihnen nahestehende Personen) persönlich haften (meist in Form von Bürgschaften). Hinzu kommt das Haftungsrisiko nach Insolvenzrecht für Unterkapitalisierungen vor Insolvenzantragstellungen, das ebenfalls erheblich sein kann. Ganz so einfach und risikoarm ist die Tätigkeit als Unternehmer im Allgemeinen also nicht (sonst wären die meisten ja blöd, wenn sie das angeblich höhere Risiko als Arbeit“nehmer“ dem angeblich geringeren als Unternehmer vorzögen). Lediglich bei großen (idR börsennotierten) AG reduziert sich die Haftung auf die Kapitaleinlage (die bei Insolvenz aber dann endgültig verloren ist). Und die (häufig nicht realisierte) Haftung des Vorstandes beruht nicht auf „unternehmerischem Risiko“, da der Vorstand zwar das Unternehmen leitet, aber kein „Kapitalist“ ist (de iure handelt es sich vielmehr um ein - häufig überbezahltes - Dienstverhältnis, wodurch er juristisch eher den Arbeit“nehmern“ gleichsteht). Hier wäre also einiges richtigzustellen (was an dieser Stelle nicht weiter möglich ist). Ausschlaggebend für den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ist (auch und gerade nach Marx) ohnehin allein die - nicht moralisch zu bewertende, sondern allein systembedingt bewirkte - Aneignung FREMDER Arbeit, nicht aber, ob nur der Arbeiter arbeite und nicht auch der Kapitalist. (Und nur die Frage, ob die Marx‘sche Sichtweise zutrifft, kann eigentlich nur ernsthaft diskutiert werden). (Sorry, dass der Kommentar etwas länger ausfiel als ursprünglich beabsichtigt; ich spreche allerdings als jemand „vom Fach“, der sowohl auf „geistiges“ bzw. „gewerbliches Eigentum“ als auch auf Unternehmensrecht spezialisiert ist). Und noch ein Wort zu den „Bullshit-Jobs“: Inwiefern bestimmte Jobs wohlstandsmehrend sind, lässt sich nicht so einfach beantworten, wie es offenbar David Graeber u. a. meinen. Die Zuordnung von Marketing hierzu scheint mir jedenfalls nicht plausibler zu sein als beispielsweise die Tätigkeit als Podcaster. Eigentlich handelt es sich mE vielmehr in Wahrheit um eine Pseudo-Debatte über einen Scheinbegriff, die keinen Erkenntnisgewinn bringt.

Hans D. Schwarz


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