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Literatur #43: Ein wenig Leben (Hanya Yanagihara)

Der knapp 1000 Seiten umfassende Roman „Ein wenig Leben“ entfaltet die epische Geschichte einer lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern, die sich einst am College in New York begegneten. Sie werden Karriere machen, sie werden einen luxuriösen Lebensstil zelebrieren, sie werden nur selten zufrieden und häufig unglücklich sein, einer von ihnen wird buchstäblich todunglücklich bleiben: Im Mittelpunkt dieses Beziehungsgeflechts steht der brillante und enigmatische Jude St. Francis, der durch seine Genialität und seine tiefe innere Zerbrochenheit fasziniert.
Die Freunde werden unaufhaltsam in Judes düstere, von Schmerz geprägte Welt hineingezogen, in der sich nach und nach die Ungeheuer der Vergangenheit bemerkbar machen.
Hanya Yanagiharas Roman war 2015 ein Bestseller, kürzlich auf TikTok löste er erneut einen Hype aus. Was aber fasziniert so viele an dieser unfassbaren Leidensgeschichte und all der Gewalt? Was erfahren wir über diese Ökonomie des Schreibens? Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von WfA-Literatur!

Literatur:

Moritz Baßler: Populärer Realismus. Vom International Style gegenwärtigen Erzählens. C.H. Beck.

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben. Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Hanser.

Literatur #43: Ein wenig Leben (Hanya Yanagihara)
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Comments

Einmal am Thema vorbei. Vielleicht könntet ihr den folgenden Punkt in der nächsten speak easy bar aufgreifen. In Ep.260 sagt Ole gegen Ende, somit hätten die ganz unten, ein besseres Leben, die reichen ein etwas schlechteres. Wäre es nicht sinnvoller, etwas unmoralisierender von mehr und weniger Geld zu reden? Und warum wechselt ihr auf einmal in den Konjunktiv, wenn es heißt, es könne schon sein, dass wir alle von den Niedriglöhnen, bezogen auf unseren Lebensstandard profitieren? Der Schluss, das ein andere Umverteilung nicht zu großen Verlusten der durchschnittlichen Verdiener und denen darunter führen müsste, hebt den Fakt doch nicht auf, oder übersehe ich hier etwas ? Wie auch immer, macht weiter so. Ich hab euch lieb

Emma Air

Während der Rezeption hatte ich fortwährend die Empfindung einer Inkompatibilität zwischen Urteil und Roman, es passte systemisch nicht zusammen, Stil und Inhalt wurden verglichen mit dem Werk von Michel Houellebecq, ja sogar James Joyce, F. Dostojewski und Thomas Mann wurden genannt. Es geht mir nun nicht um die Frage der Richtigkeit dieser Darstellung, da hierfür kein passender Maßstab vorhanden ist, sondern um die Legitimität der Methodik. Um ein literarisches Werk zu rezensieren, sollte zunächst dessen Zielsetzung festgelegt werden, worin ebenfalls das angesprochene Lesepublikum enthalten ist, vereinfacht ausgedrückt, was will der Literat bewirken und wen will er ansprechen. Zu diesem literarischen System kann ich Position beziehen und im Vergleich mit anderen Werken rezensieren, alternativ werden Genre miteinander verglichen, die sich nicht verbinden lassen! Schwierig scheint mir eine Zuordnung eines Unterhaltungsromans wie „Ein bisschen Leben“ unter die Kriterien hoher literarischer Kunst, um dann das Werk berechtigt nach diesem Maßstab als ungenügend oder schlecht zu bezeichnen. Auch als U-Roman ist dieses Buch bei mir durchgefallen, ich gehöre offensichtlich nicht zum Zielpublikum.

Hypathia


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